Fragen an Katja Frey, Initiatorin und Referentin des Trainingsspezialist.

Juli 2019 durchgeführt


Drei Antworten, die den Trainingsspezialist erklären.

  1. Der Trainingsspezialist befindet sich nun im 4. Jahr – inzwischen gibt fast 140 Teilnehmer und Absolventen der Weiterbildung. Wie würdest Du rückblickend diese Zeit beschreiben?
    Die vergangenen Trainingsspezialisten-Jahre waren spannend für mich! Mit dieser Form der Trainerfortbildung haben wir den Versuch gestartet, eine Modulreihe anzubieten, in der Zutaten statt Rezepte vermittelt werden. Das heißt: wir vermitteln angewandte Lerntheorie, anstatt zu spezifischen Themen, wie z.B. Agility, eine Fortbildungsreihe zu machen.
    Ich freue mich zu sehen, dass das Wissen, das ich transportieren möchte, bei den Teilnehmern tatsächlich ankommt. Dabei bin ich immer wieder von der Wissbegierde und dem Engagement der Teilnehmer begeistert.
    Ich empfinde die Weiterbildung als einen stetigen Prozess, der sich insbesondere durch den Austausch mit den Teilnehmern immer weiterentwickelt. Daraus resultiert ein Kreislauf: ich nehme Veränderungen an den Inhalten und der Struktur vor, setze sie um, und verändere es anhand des Feedbacks wieder neu. Das erlaubt mir und meinen Referentenkollegen, den Trainingsspezialisten ständig „im Fluss“ zu halten.
    Für mich persönlich ist es ein Geschenk, über die Jahre so viele Menschen und Hunde kennengelernt zu haben, gemeinsam spannende Zeit zu verbringen und miteinander zu lachen. Das gemeinsame Durchleben von Höhen und Tiefen verbindet die Teilnehmer untereinander, und auch die Teilnehmer mit den Referenten. Neben dem Fokus auf fortgeschrittenem Training und der Weiterentwicklung der Teilnehmer macht es mir Spaß, wie viel gemeinsam gescherzt, philosophiert, herumgesponnen und diskutiert wird. Häufig entstehen dabei Freundschaften, die über das kollegiale Miteinander hinaus gehen, und die über den Trainingsspezialisten hinaus Bestand haben.
  2. Inzwischen findet der Trainingsspezialist an drei Standorten statt – im Norden bei Hannover, in Kelkheim im Taunus, und in Vorarlberg. 2020 startet der erste Jahrgang in der Nähe von Wien. Hast Du mit solch einer Entwicklung gerechnet und welche Gedanken kommen Dir dabei?
    Dass diese Weiterbildung inzwischen an drei Standorten angeboten wird, habe ich so nie erwartet und auch nicht geplant!
    Ich freue mich, wenn ich sehe, dass für so viele Menschen das, was ich an Wissen transportieren will, hilfreich ist und sie mehr davon wollen.
    Mein Anliegen ist, dass sie ihr erworbenes Wissen und Können in die Welt hinaustragen und weiterverbreiten – sei es in der Hundeschule am Kunden oder in Seminaren und Fortbildungen.
    Dass die Menschen aus allen Ecken und Enden Europas angefahren kommen, um dabei zu sein und schließlich sagen, „das wollen wir hier auch anbieten für andere Interessierte“, dass meine Idee weitergetragen und gelebt wird, das macht mich glücklich und das ist eine Entwicklung, die ich nicht erwartet hätte.
  3. Was macht den Trainingsspezialisten für Dich so einzigartig?
    Durch die vielen Rückmeldungen von Teilnehmern wurde mir selbst mit den Jahren immer klarer, was den Trainingsspezialist von anderen Weiterbildungen unterscheidet. Das sind vor allem drei Punkte:
    Erstens: „Zutaten statt Rezepte“: Unter „Zutaten“ verstehe ich beispielsweise die Vor- und Nachteile verschiedener Trainingstechniken oder die Neben-Effekte, die man mit der Wahl von Konsequenzen auf ein Verhalten erzielt. Mit „Rezepten“ meine ich zum Beispiel vorgefertigte Trainingspläne für spezielle Verhalten oder Aussagen wie „Aufhören, wenn es am schönsten ist“.
    Ich möchte den TeilnehmerInnen beibringen, für jedes Verhalten, jeden Hund und auch jeden Menschen aus einer reichen Auswahl an Zutaten (=Trainingsmöglichkeiten) das passende Trainingsrezept selbst zusammen stellen zu können.
    Unsere Absolventen kennen nach der Weiterbildung so viele Hintergründe, wie Verhalten entsteht und sich verändert, dass sie auch Verhalten beim Hund herstellen können, die nicht ihrem Tätigkeitsschwerpunkt entsprechen. Eine unserer Trainingsspezialistinnen hat beispielsweise ein Mensch-Hund-Team erfolgreich für ein Obedience-Tunier vorbereitet, obwohl sie selbst nie diese Sportart ausgeübt hat. Was sie vorab wissen musste, war das genaue gewünschte Endverhaltens des Hundes.
    Zweitens: „Training unter dem Mikroskop“: In den Modulen achte ich sehr darauf, keine Methoden zu vermitteln, sondern angewandte Lerntheorie weiter zu geben. Von Anfang an schulen wir dazu die Teilnehmer im Beobachten. Wir üben zu unterscheiden, ob wir Verhalten wirklich nur beschreiben, oder ob wir es bereits analysieren, interpretieren und Hypothesen aufstellen. Unser Fokus liegt darauf, dass die Teilnehmer etwas über die Zusammenhänge des Lernens verstehen. Es geht nicht darum, ob der Hund am Ende eines Moduls ein „fertiges“ Verhalten kann. Das Verhalten wird im Modul nur als Mittel zum Zweck benutzt – nämlich die Hintergründe des Trainings zu verstehen.
    Und drittens: die „Seele des Trainingsspezialisten“: das ist die Atmosphäre ist, die in den Modulen herrscht. Da ich selbst eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation habe, bringe ich diese Haltung in den Trainingsspezialisten ein. Ich denke, dass das Vorleben und Vormachen einer empathischen und wertschätzenden Sicht auf den Menschen und die Gruppe das Lernen angenehmer macht. Genauso wichtig ist mir übrigens fairer Umgang mit den Hunden.
    Auch wenn es in Diskussionen einmal hitziger wird oder die Meinungen auseinander gehen, bleibt der Austausch sachlich. Wir achten darauf, über Vor- und Nachteile zu sprechen – und nicht darüber, ob etwas richtig oder falsch ist. In den Praxisteilen trainieren immer zwei Teilnehmer miteinander. Dabei unterstützen sie sich gegenseitig – es gibt keine Konkurrenz, sondern alle denken und handeln miteinander statt gegeneinander. Das führt zu kollegialem und fairem Umgang der Teilnehmer untereinander. Und dieser wertschätzende Umgang miteinander macht ein stressfreies und damit nachhaltiges Lernen und Erfahren so intensiv möglich.

    Ich denke, diese drei Punkte machen den Trainingsspezialisten aus.
    Vielen Dank für das Gespräch, Katja Frey!